Die Anfänge der Marke Norma Audio gehen bis ins Jahr 1987 zurück. Zunächst baute die Firma, die in Cremona in Oberitalien beheimatet ist, spezialisierte Messtechnik unter dem Firmennamen Opal Electronics. Cremona ist nicht nur die Stadt der berühmten Geigenbauerfamilien, den Stradivaris, Amatis und Guarneris, sondern hat auch so bekannte Komponisten wie Monteverdi, Ponchielli und Verdi hervorgebracht. Mit einem musikbegeisterten Inhaber wie es Enrico Rossi ist und einer jahrhundertealten Musiktradition im Rücken, die noch heute das öffentliche Leben der Stadt beeinflusst, konnte das nicht lange so bleiben.

Als 1991 der erste Norma Verstärker, der NS 123, auf den Markt kam, kaufte Enrico Rossi kurzerhand die vielversprechende Firma und startete ein 7 Jahre dauerndes Forschungs- und Entwicklungsprojekt, um herauszufinden, wie Verstärkerelektronik den Klang der Musik beeinflusst.

Als geschulter Hörer, der regelmäßig klassische Konzerte seit seiner Kindheit besucht, konnte er problemlos nachvollziehen, wie unterschiedlich Verstärker mit ähnlich niedrigen Verzerrungswerten, Phasenfehlern oder Signal-Rausch-Abständen klangen.

In dieser Entwicklungsphase erforschte Enrico Rossi, wie sich verschiedene Faktoren, wie Schaltungstopologie, Bauteilqualität, mechanischer Aufbau und Netzteilstruktur gegenseitig beeinflussen und wie diese im Sinne bestmöglicher Klangqualität zu kombinieren sind.

So fand er heraus, dass für unmittelbare Stromlieferfähigkeit der Schaltung eine viel höhere Bandbreite notwendig ist, als gemeinhin angenommen. Dies hat weitreichende Konsequenzen hinsichtlich der Auslegung aller Schaltungsteile. Ein breitbandiger Verstärker stellt hohe Ansprüche an die Schaltungsauslegung, das Layout, die Masseführung und an das Netzteil. Dieses muss nämlich nicht nur im Bereich der Audio-Frequenzen bis 20kHz niederohmig und linear arbeiten, sondern bei Rossis Schaltungen bis zur hundertfachen Frequenz davon, bis 2MHz!

Andererseits besitzt ein so konstruierter Verstärker neben der erwünschten Schnelligkeit noch andere Vorteile: Da die Schaltung so weit nach oben linear arbeitet, wird sie auch nicht von Intermodulationseffekten mit hochfrequenten Störungen aus dem Netz beeinflusst. Bis hinauf zu 2 MHz werden diese ohnehin vom breitbandigen Netzteil ausgesiebt.

Doch all diese technische Raffinesse und Sorgfalt bei der Konstruktion machen noch keinen außergewöhnlichen Verstärker, das gibt auch Enrico Rossi zu. Es gibt immer noch Faktoren, so erläutert er, die kann man nicht messen. Am Ende bedarf es eben noch des Musikliebhabers Enrico Rossi, der mit seiner Leidenschaft Materialien, Konzepte und Prozesse so auswählt, dass die authentische Wiedergabe der Musik gelingt.

Und da steht er meines Erachtens in bester Tradition seiner Stadt. Auch bei seinem berühmten Vorgänger Stradivari liegt das Geheimnis weniger im „was“, das wurde längst bis ins kleinste Detail analysiert, sondern im „wie“, und dieses „wie“ ist untrennbar mit seiner Person verbunden.